Gemeinde - Ortsteile - Sausedlitz
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Ersterwähnung:
im Jahr 1349 (im Lehnbuch Friedrich des Strengen)
Namensgebung:
Der Ortsname “Sausedlitz” kommt in Sachsen nur ein Mal vor.
Die älteste Namensform des Ortes ist Ciusedlitz.
Der slawische Ortsname war Susedlicz und ist (eventuell) mit “Nachbarsiedlung” zu übersetzen.
Zusammensetzung: aus Sousedlitz (soused heißt Nachbar, Mitsiedler)
Geschichte:
Sausedlitz kann als sogenanntes Angerdorf bezeichnet werden, alle Höfe sind regelmäßig entlang des Angers angeordnet.
Der Ort gehörte zum wendischen Bezirk Siusli, die Dorfanlage läßt jedoch wendischen Einfluss nicht erkennen.
Sausedlitz ist eine sehr alte Ansiedlung, bereits im 13. Jahrhundert wurde es urkundlich erwähnt. In den Jahrhunderten seines Bestehens konnten weder Kriege noch Seuchen dem kleinen Dorf etwas anhaben. Bis dann ab 1983 Wald- und Ackerflächen von der MIBRAG erzwungenermaßen aufgekauft wurden. Von 410 Einwohnern blieben letztlich nur noch 180 in Sausedlitz wohnen. Zu der Zeit, als 1989 die Wende kam und die Bagger nur noch wenige 100 Meter vom Dorf entfernt standen, begannen die Sausedlitzer um den Erhalt ihres Dorfes zu kämpfen. Im Februar wurden ihre Bemühungen belohnt, denn in einer Versammlung wurde mehrheitlich beschlossen: “Sausedlitz bleibt bestehen!” Dank der Hilfe durch Fördermittel verwandelte sich Sausedlitz in kurzer Zeit in eines der schönsten Dörfer im Landkreis Delitzsch und nichts erinnerte mehr an den verwahrlosten Anblick, den das Dorf einst geboten hatte. 1994 erfolgte die Eingliederung des Ortes in die Gemeinde Löbnitz. 1996 wurde Sausedlitz Sieger im Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft”. Im Jahr 2000 erfolgte eine Teilnahme am “Europäischen Dorferneuerungs-Wettbewerb.
10. Jahrh. sorbische Siedlung am Leinebach 1456 Auflistung aller Besitztümer vom Kurfürsten Friedrich von Meißen in dessen Lehnbuch, auch Sausedlitz wurde aufgeführt 1466 gehörte das Dorf Sausedlitz Siegfried und Jan von Schönfeldt auf Löbnitz (nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich 1464 folgten seine Söhne Ernst und Albrecht als Kurfürsten, von ihnen ließen sich Siegfried und Jan von Schönfeldt ihren Besitz bestätigen; Sausedlitz gehörte dazu) 1538 Erwähnung einer Gaststätte mit Namen “Krug” 1539 große Nässe, von Michaelis 1539 bis Ostern 1540 1540 1539 große Dürre, “also, daß das Getreide verdorret, darauf abermals große Noth und Theuerung entstanden ist” 1598 besaß Hans von Schönfeldt Sausedlitz, nach dessen Tot wurde der Besitz unter seinen sieben Söhnen aufgeteilt 1599 erbte Wolf von Schönfeldt das Dorf Sausedlitz 1605 Georg Nitsche des Winzers Sohn 1631 / 1648 schwere Zerstörung in Sausedlitz (1618 - 1648 Dreißigjähriger Krieg) 1636 große Pest! 1670 jährliches Kirchweihfest (8 Tage nach Martini (11.11.)) Kirchweihfest bezeugt; Eintragung im Kirchenbuch von Löbnitz 1682 hat Adolf Landmann sein Winzerhaus mit einem “Gärtchen verzieret” 1685 ab 1685 wird eine Schule erwähnt 1707 erwarb Friedrich Vitzthum von Eckstädt (1754 Oberst der Garde duCorps) Sausedlitz 18. Jahrh. Bau eines Pfarrhauses 1720 verheerende Missernte 1750 45 Haushalte 1770 41 ansässige Bauern in Sausedlitz, neun Bauern nannten eine Hufe und mehr ihr Eigentum, sechs Bauern hatten überhaupt keine Feldanteile, vier Erbdrescher hatten nur 7 Acker (1 1/2 Hufe entsprachen 13,3 ha (die Größeneinheit einer Hufe in den Jahrhunderten war unterschiedlich; im 12. Jahrh. war 1 Hufe Land etwa 15 - 16 Acker, im 17. Jahrh. war 1 Hufe Land etwa 8 Acker) 18. Jahrh. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. wurde das Gutshaus gebaut 1771 Erwähnung der Erdbirnen (Kartoffel) 1772 zweite große Missernte Armenkasse eingerichtet, aufgrund von Missernte und Teuerung im 18. Jahrh. (1756 - 1763 Siebenjähriger Krieg) 1773 der Löbnitzer Johann Pfordte versorgt die Sausedlitzer mit Gewürzen, Tee, Zucker, Kaffee usw. 1824 beschwerte sich der Lehrer von Sausedlitz beim Landrat in Delitzsch, dass Eltern ihre Kinder das ganze Sommerhalbjahr über “vermieten” und diese alles Gelernte vergäßen und weder lesen noch schreiben könne 1838 besaß der Müller Friedrich August Seydel die Wasser- Wind- und Oelmühle die bis 1838 dem hiesigen Rittergut zinspflichtig war, letzter Müller war Fritz Petzold, bis 1918 wurde die Mühle ausschließlich mit Wasser betrieben, bereits im 18. Jahrh. ist eine Wassermühle in Sausedlitz bekannt 1844 Vermessung der Fluren; 858,00 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (in preußischen Morgen) 1845 schlechte Ernte 1846 296 Einwohner 1847 Kauf von Getreide, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern 1855 gab es in Sausedlitz je einen Müller, 1855 Schuhmacher, Böttger, Weber, Schneider, Tischler, Radmacher, Schmied 1858 fahrbare Feuerspritze erwähnt 1867 legte die königliche preußische Regierung Normaleinkommen für den Dorfschullehrer fest (Bezahlung aus Schulgeld und Gemeindekasse) 1874 / 75 erst jetzt wurden Abgaben (Naturalien) für Kirche und Schule durch Geldzahlungen ersetzt 1875 344 Einwohner 1878 60 Schüler in einem Klassenraum von 5 m Länge und 5 m Breite 1888 Ablösung des Schulgeldes durch staatlich gezahltes Festgel 1891 Umbau eines Bauernhauses zum Schulhaus 1897 Anschaffung einer modernen Feuerwehrspritze 1906 gab es öffentlichen Fernsprecher 1914 im Juni wurde ein Vertrag über die Einrichtung eines elektrischen Leitungsnetzes abgeschlossen 1925 bis in dieses Jahr wird der historische Dorfbrunnen betrieben 1929 Kirchturm wird wegen Baufälligkeit abgerissen und ein neuer errichtet 1930 Erwerbstätigen - Struktur in den dreißiger Jahren 1931 / 32 Vertiefung des Leinebettes um je 25 cm 1932 Gründung einer “Wassergenossenschaft” deren Ziel die Entwässerung des Gebietes am Neulandgraben darstellte 1946 Einrichtung eines Kindergartens 1950 Gründung des Dorfklub Sausedlitz 1952 am 1. Dezember - Gründung der LPG “ Leinetal”(10 Gründungsmitglieder verfügten über 72 ha) 1953 wird Beschluss über Schulneubau gefasst (Beschlussfassung der Orte Löbnitz, Reibitz, Spröda, Sausedlitz u. Seelhausen) erst 1960/61 Bau der Zentralschule in Reibitz 1959 am 2. Dezember 1959 war Sausedlitz 11. vollgenossenschaftliches Dorf im Kreis 1965 am 1. September erfolgte Schließung der Sausedlitzer Teiloberschule (Schüler besuchten nun die Zentralschule in Reibitz) 1969 Bau der Kegelbahn 1972 430 Einwohner 1973 Bau der Wasserleitung 1976 Bildung eines Gemeindeverbandes 1977 / 78 Neubau eines Kindergartens und Einrichtung einer Schwesternstation 1980 wird Sausedlitz zum Bergbauschutzgebiet erklärt 1986 beginnt die Umsiedlung der Dorfbewohner wegen des Braunkohleabbaues 1990 sind 50 % der Einwohner umgesiedelt 28. Februar 1990 Ministerratsbeschluss der DDR - Regierung: Der Kohlebergbau wird gestoppt, Sausedlitz wird nicht überbaggert 1993 Aufnahme des Dorfes ins sächsische Dorfentwicklungsprogramm 1994 1. März, Eingliederung der Gemeinde Sausedlitz in die Gemeinde Löbnitz 1995 225 Einwohner 1996 Sieger im Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft” 1997 Sonderpreis im Bezirkswettbewerb für “bürgerliche Aktivitäten in einer bergbaugeschädigten Gemeinde” 2000 Teilnahme der Ortschaft Sausedlitz am Europäischen Dorferneuerungswettbewerb 2010 Jubiläumsveranstaltung "20 Jahre Wiedergeburt Sausedlitz" mit Aufführung des dorfeigenen Musik- und Theaterstückes "Sausedlitz lebt! - Schwein gehabt!" mit 35 Sausedlitzern 2011 2011 Sieger im Wettbewerb des Landkreises Nordsachsen "Unser Dorf hat Zukunft" 2012 vielfältige Aktivitäten der Sausedlitzer in Vorbereitung auf den Wettbewerb auf Landesebene "Unser Dorf hat Zukunft" im Sommer 2012
Quellen: Leben zwischen Kabine, Bockshain und Weinberg; Kirchenbücher der Ev. Kirchengemeinde Löbnitz
Einweihung des Denkmals "Drei tanzende Schweine auf glühenden Kohlen" in Sausedlitz, gefördert durch den Freistaat Sachsen im Rahmen des Programms "20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit"
