Gemeinde - Ortsteile - Roitzschjora
Ersterwähnung:
xx.xx.xxxx als xxxx (xxxx Form)
Namensgebung:
der Ortsname “Roitzschjora” kommt in Sachsen nur ein Mal vor.
1466 Roytzsch (wüste Mark) 1599 Roitzsch und Jora (große Sorge und kleine Sorge) 1750 Roitzsch und Jora 1791 Roitzsch oder Sorge 1792,1884 Röitzsch 1817 Jora, auch Kleine Sorge 1822 Roitzsch 1892 Roitzschjora
aus dem “Leben zwischen Kabine, Bockshain und Weinberg”
Wegen der spät einsetzenden urkundlichen Überlieferung ist die Grundform unsicher, zumal es sich ursprünglich um zwei Orte handelte.
(Quelle: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen E. Eichler und H. Walther)
Im Volksmund ist überliefet, dass durch das Hochwasser der Mulde oft Ackerland überschwemmt wurde und die Bewohner des Ortes bei Hochwasser Große Sorgen hatten.
So ist die Bezeichnung Sorge für die Orte Roitzsch und Jora sicher auch denkbar.
Geschichte:
4000-2000 v.u.Z. Feuersteinbeile 1700 – 700 v.u.Z. erste Besiedlungen im Gebiet unseres Ortes (durch Funde und Grabbeilagen belegt) 200 - 1700 v.u.Z. Eisen- und Bronzefund 1200 - 1000 v.u.Z. Topf 1000 - 800 v.u.Z. Lausitzer Kulturperiode 400 - 200 v.u.Z. Frühlatene Zeit (nach Latene, einem Fundort in der Schweiz, benannter jüngerer Abschnitt der Eiszeit) ebenfalls mit Grabfunden 700 bis in unsere Zeitrechnung Latene Zeit Schmuck- und Waffenfunde 10. Jh. es beginnt nach der Völkerwanderung die erneute Besiedlung in unserem Gebiet 1349/50 Rodeschwicz 1466 Roitzsch wird in einem Schriftstück als “wüste Marken” bezeichnet und gleichzeitig wird der Wald bei Roitzsch erwähnt; zur Löbnitzer Kirchengemeinde gehörten die Einwohner von Roitzsch und Jora (12. Jahrhundert - Erwähnung einer Backsteinbasilika in Löbnitz) Ende des 15. Jh. bis Anfang des 16. Jh. von den Einwohnern in Roitsch und Jora gesprochen, damals bereits als kleine und große Sorge benannt 1560 es wird erwähnt, dass von 13 gestorbenen Personen aus Löbnitz, Roitsch und Jora 12 Kinder unter 10 Jahren sind 1595 ein großer Brand auf der vorderen Sorge zerstört zehn Bauernhöfe und damit fast das ganze Dorf (drei Wittenberger; 1 Brandstifter überlebte die Folter nicht und wurde unter dem Löbnitzer Galgen verscharrt, 2 wurden am 27. Februar 1596 verbrannt) die Löbnitzer hatten eine eigene Gerichtsbarkeit 1599 stirbt Hans von Schönfeldt und das Erbe wird unter sieben Söhnen aufgeteilt, Sohn Hans erhält den Löbnitzer Hofteil mit Jora und Sohn Chrstoph erhält den Löbnitzer Schloßteil und Roitzsch ab dem 16. Jh. gab es eine Ziegelscheune auf der Sorge, welche Steine für den eigenen Bedarf herstellt (aber sicherlich auch für den Verkauf) 1632 verheerende Pestperiode von Mai bis Dezember; in Löbnitz, Roitzsch und Jora starben 285 Menschen, das sind ¼ aller Einwohner 1637 schreibt Hans von Schönfeldt: “elf Halbhüfner von der Sorge von denen acht ausspannen könnten” (Hüfner ehmaliges Durchschnittsmaß für bäuerlichen Grundbesitz) 1637 – 1642 die große Sorge wird vom kaiserlichen Regiment gänzlich zerstört 1642 lagen beide Sorgen gänzlich wüst 1661 noch steht geschrieben: “unbewohnt, die Felder unbebaut, sogar mit dichtem Gehölz ist alles bewachsen” 1706 es werden alle Einwohner von Roitzsch im Steuerregister als Neuanbauer bezeichnet (8 Einwohner - Familien mussten keine Steuern zahlen, da sie noch keine sechs Jahre hier ansässig waren) 1750 Haushalte in Roitzsch 31 und Haushalte in Jora 18 1770 gab es in Roitzsch zwölf Bauern mit je einer Drittelhufe (ca.. 2,7 ha) neunzehn Einwohner werden als Häusler bezeichnet, nur sechs von ihnen besaßen ein Stück schlechtes Feld 1822 Postortverzeichnis erwähnt Roitzsch und Große Sorge 1830 gibt es 72 Haushalte Roitzsch und Jora, davon waren 49 Landlose oder unter 2 ha Feld 1836 erstmals für Roitzsch und Jora ein gemeinsamer Gemeinderat 1843 Bockwindmühle in Roitzschjora erhält ihren heutigen Standort 1846 die Ernte war so schlecht, dass im Mai 1847 die Gemeinde Getreide kaufen musste um die Einwohner zu versorgen; Abtrennung der Schule von Roitzsch von Löbnitz 1855 musste ärmeren Gemeindemitgliedern von Roitzsch eine Ablösung gewährt werden 1865 4 Silbergroschen Schulgeld monatlich für jedes Kind 1867 49 Haushalte (von 72) mit unter 2 ha Landwirtschaftliche Fläche 1875 Ausstattung einer Schulstube in Roitzschjora ein Bericht sagt folgendes: “ Ferner hat die Schule keine Schulbänke, sondern nur 2 Tische mit je freistehenden Bänken ohne Lehne, auf welchen die Schüler so dicht gedrängt sitzen, dass gleichzeitig nicht die ganze Abteilung mit Schreiben in den Heften oder nur auf der Tafel beschäftigt werden. ... Ferner fehlt von Lehrmittel ein Globus, eine Karte der Provinz Sachsen, ein Metermaß und ein Exemplar jedes eingeführten Schulbuches.” zweite Hälfte des 19. Jh. deutlicher Rückgang der Einwohner obwohl mehr Geburten als Sterbefälle 1911 die FFW Roitzschjora erhält eine Handdruckspritze 1925 erste Busverbindung von Bad Düben nach Delitzsch, Mitte der 30er Jahre arbeiten 61,3 % hauptberuflich in der Landwirtschaft 1928 finden sog. Reichsjugendwettkämpfe auf dem Löbnitzer Sportplatz statt mit Teilnehmern auch aus Roitzschjora 1930 Einweihung der neuen Schule in Roitzschjora 1932 Ziegelöfen vorhanden 1938 Buslinie Löbnitz- Wolfen 1945 318 Einwohner (Ende 1945 stieg die Einwohnerzahl auf 318 (von 300) durch Aufnahme von Heimatvertriebenen) 1945 4 Neubauern- Stellen in Roitzschjora 1948 Eröffnung einer Gemeindebibliothek 1950 1952 wird auch die 1 – 4 Klasse der Schule Roitzschjora nach Löbnitz angeschlossen ; zwei Klassenzimmer befinden sich weiterhin in Roitzschjora und werden für den Unterricht genutzt 1954 am Morgen des 11.7. brach bei Roitzschjora der Muldedamm durch Hochwasser 1958 im Juli / August erfolgt die Gründung der LPG “Muldetal” Typ I mit 100 ha, der LPG “1. Mai” mit 60 ha sowie der LPG “Zufriedenheit” mit 120 ha Ackerfläche 1972 ist kein Schulunterricht mehr in Roitzschjora; am 28. Februar wird die neue 10 – Klassen – Schule in Löbnitz genutzt 1973 1.Sep. Roitzschjora wird nach Löbnitz eingemeindet 1969/71 Bau einer Wasserleitung 1971 Bau der Gaststätte 1972 Bau der Post und eines Gemeindebüros 1977 erhält Roitzschjora (mit Löbnitz) Straßennamen und jedes Haus neue H.- Nummern (Hauptstr. usw. fallen weg) Alte H.- Nummerierung begannen bei Voigt mit Nr.1 bis in Richtung Löbnitz Schlegemilch- Richter; alle Seitenstraßen einbegriffen, dann wieder in Richtung Tiefensee bei Küster Edidt beginnend bis zum Haus Volk endend; Peterson/ Gasch Nr. 63
Jetzt werden die Klassen 5 bis 8 in Löbnitz unterrichtet, die Klassen 1 bis 4 verbleiben vorerst in Roitzschjora.
